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Die Reihenfolge entscheidet, nicht das Tool

Die meisten Auswahlprozesse scheitern nicht an der Software. Sie scheitern an der Reihenfolge.

Die Frage „Welches Tool passt zu uns?“ wird gestellt, bevor die Frage „Welche Entscheidung wollen wir damit künftig besser treffen?“ beantwortet ist. Das Ergebnis ist absehbar: Wer ESG als Berichtspflicht denkt, kauft ein Reporting-Werkzeug und hat drei Jahre später ein sauber dokumentiertes Datensilo mit Lizenzkosten. Wer ESG als Steuerungsfrage denkt, kauft unter Umständen dieselbe Software, nutzt sie aber anders: als Grundlage für Investitionsentscheidungen, Lieferantenauswahl und Preisgestaltung.

Der Unterschied liegt nicht im Produkt. Er liegt darin, wer im Unternehmen die Zahlen verantwortet und welche Entscheidungen an ihnen hängen.

Deshalb steht am Anfang dieses Beitrags keine Empfehlung, sondern eine Einordnung und am Ende ein Auswahl-Check, mit dem Sie Ihre eigene Ausgangslage bestimmen können. Warum die rein regulatorische Sicht auf ESG am Ende die teuerste ist, haben wir hier ausführlich beschrieben: ESG-Strategie im Mittelstand: Warum die Pflichtübung die teuerste Variante ist

Warum ein strukturierter Auswahlprozess unabdingbar ist

Bevor Sie sich für eine Software entscheiden, braucht es Klarheit: Was soll die Lösung für Ihr Unternehmen lösen? Die wichtigsten Treiber:

  • Zunehmende Datenanforderungen: Scope-1-bis-3-Emissionen, Lieferkettenrisiken, Menschenrechte, doppelte Wesentlichkeit.

  • Fragmentierte Systemlandschaften: Viele Unternehmen haben Daten in ERP, Einkauf, HR oder Finance, aber eben nicht integriert.

  • Regulatorischer Druck: CSRD & ESRS ab 2025/26, CSDDD, EUDR, EU-Taxonomie.

  • Wettbewerbsfähigkeit: ESG wird zunehmend zu einem Differenzierungsmerkmal gegenüber Kunden, Banken und auch neuen Mitarbeitenden.

Daraus ergeben sich klare Auswahlkriterien:

Wesentliche Kriterien im Überblick

KriteriumRelevanz für ein Unternehmen im Mittelstand
Datenintegration & AutomatisierungVermeidet manuelle Erfassung, reduziert Fehler, erhöht Effizienz.
Regulatorische AbdeckungCSRD, EU-Taxonomie, CSDDD und weitere, die Software muss das abbilden.
Lieferketten-TransparenzDer Mittelstand sieht sich zunehmend mit Sorgfaltspflichten konfrontiert.
Reporting & Audit-BereitschaftEin Bericht ist meist nicht genug, Nachvollziehbarkeit und Audit-Spur sind nötig.
Skalierbarkeit & PraxisnäheDie Lösung muss zu Größe, Struktur und Reife des Unternehmens passen.

Und nun zu den fünf Lösungen, die wir im Mittelstandsumfeld am häufigsten in der engeren Wahl sehen.

1. osapiens HUB – breite, modulare Abdeckung für Compliance, ESG und Lieferketten

Der osapiens HUB bündelt Berichterstattung, Lieferkettenpflichten und CO₂-Management auf einer modularen, cloudbasierten Plattform. Unternehmen können mit einem Modul starten und weitere ergänzen, auch international und in mehrstufigen Wertschöpfungsketten.

Im hier betrachteten Vergleichsfeld deckt die Plattform die meisten regulatorischen Anforderungen innerhalb einer Umgebung ab, unter anderem CSRD, EUDR, CSDDD und CBAM. Dazu kommen automatisierte Schnittstellen zu ERP- und Finanzsystemen sowie branchenspezifische Ausprägungen.

Stärken des osapiens HUB:

  • Modularer Aufbau, dadurch schrittweiser Einstieg möglich, etwa Reporting zuerst, Lieferkette später
  • Breite regulatorische Abdeckung in einer Plattform statt über mehrere Insellösungen
  • Ausgeprägter Fokus auf operative Lieferkettenprozesse, nicht nur auf Berichterstattung
  • Im deutschsprachigen Mittelstands- und Lieferkettenumfeld etabliert

Einschränkung: Die Breite der Plattform will beherrscht werden. Ohne klare Modul-Roadmap wächst der Konfigurations- und Abstimmungsaufwand schneller als der Nutzen.

Kurzprofil:

  • Zielgruppe: Mittelstand bis große Unternehmen mit ausgeprägten Wertschöpfungsketten
  • Schwerpunkte: Lieferketten-Transparenz, Produktsichtbarkeit, regulatorisches Controlling, Reporting
  • Besonderheit: Baukastensystem, das schrittweise aufgebaut werden kann

Geeignet, wenn: Sie in die ESG-Berichterstattung einsteigen oder Lieferketten-Sorgfaltspflichten aktiv angehen und beides perspektivisch in einem System führen wollen.

Entscheidungstipp: Prüfen Sie die Modulabdeckung für Ihre konkreten Pflichten (etwa doppelte Wesentlichkeit, EU-Taxonomie) und die Integrationstiefe zu Ihren Bestandssystemen aus ERP, SCM und HR.

Link zur Plattform

2. Persefoni – Carbon Accounting und Net-Zero-Strategien

Persefoni zählt zu den international etablierten Plattformen für CO₂-Management und ist besonders dann relevant, wenn emissionsbezogene Daten präzise erfasst, gesteuert und auditfähig berichtet werden müssen. Für mittelständische Unternehmen, die ihren CO₂-Fußabdruck verstehen, Handlungsprogramme entwickeln und Klimastrategien operationalisieren wollen, ist Persefoni ein klarer Spezialist.

Stärken:

  • Präzises CO₂-Reporting über Scope 1 bis 3
  • Besonders passend für produzierende Unternehmen
  • Hohe Datenqualität und Auditierungsfähigkeit
  • Guter Einstieg, wenn Klimadaten im Vordergrund stehen

Einschränkung: Deutlich weniger umfassend bei sozialen und Governance-Themen, für eine vollständige CSRD-Abdeckung sind ergänzende Prozesse nötig.

Link zur Plattform

3. Diligent ESG – Governance- und Risiko-Fokus für reifere Mittelständler

Viele mittelständische Organisationen wachsen in eine komplexere Governance- und Risikostruktur hinein, spätestens, wenn Berichtspflichten steigen oder internationale Tochtergesellschaften hinzukommen. Diligent ESG setzt genau hier an und verknüpft Nachhaltigkeitsdaten mit Risiko-, Compliance- und Governance-Prozessen. Die Lösung eignet sich vor allem für Unternehmen, die ESG als Bestandteil eines übergeordneten GRC-Systems denken.

Stärken:

  • Sehr stark im Risiko- und Governance-Management
  • Gut geeignet für Unternehmen mit bestehender GRC-Struktur
  • Saubere ESG-Datenaggregation über Gesellschaften hinweg

Einschränkung: Weniger auf operative Nachhaltigkeitsdaten oder Lieferkettenprozesse ausgelegt.

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4. Verso – EU-Compliance und pragmatischer Einstieg

VERSO hat sich als benutzerfreundliche, klar strukturierte ESG-Software für kleine und mittlere Unternehmen etabliert, besonders im deutschsprachigen Raum. Die Plattform richtet sich an Unternehmen, die ohne großen Implementierungsaufwand CSRD-konform werden wollen, inklusive doppelter Wesentlichkeit, ESRS-Mapping und Berichtsworkflow.

Stärken:

  • Speziell für mittelständische Unternehmen entwickelt
  • Klarer, intuitiver Aufbau – auch ohne großes ESG-Team bedienbar
  • Unterstützt den kompletten CSRD-Prozess inklusive ESRS-Mapping
  • Gute Preisstruktur und überschaubarer Implementierungsaufwand

Einschränkung: Bei komplexen, mehrstufigen Lieferketten und internationalen Konzernstrukturen stößt die Lösung früher an Grenzen als breitere Plattformen.

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5. Tanso – ESG-Software für produzierende Mittelständler

Produzierende Mittelständler stehen vor besonderen Herausforderungen: Energieverbräuche, Materialflüsse, Lieferketten-Emissionen und komplexe Scope-3-Daten. Tanso wurde genau für dieses Umfeld entwickelt und führt Emissionsdaten automatisiert zusammen, bildet sie entlang der Lieferkette ab und überführt sie in ein auditfähiges Reporting.

Stärken:

  • Fokus auf Produktion und Lieferkette
  • Automatisierte Datenerfassung aus Produktionssystemen
  • CO₂-Management, ESG-Reporting und Lieferantendaten in einem Werkzeug
  • Sehr gute Integrationsfähigkeit

Einschränkung: Außerhalb produzierender Geschäftsmodelle bleibt ein Teil der Stärken ungenutzt.

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Praxis-Check für Ihren Auswahlprozess

Damit Sie nicht „eine Software“ auswählen, sondern die Lösung, die strategisch zu Ihrem Unternehmen passt, sollten Sie sich intern die folgenden Fragen stellen:

  1. Wie fortgeschritten sind Ihre ESG-Prozesse derzeit? Haben Sie bereits eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt? Ist die Datenbasis vorhanden? Wenn Sie am Anfang stehen, ist eine modulare Lösung mit niedrigschwelligem Einstieg meist sinnvoller als eine Vollausbaustufe.
  2. Welche Rahmenbedingungen gelten für Sie? Standort und Region, Regulatorik (CSRD und ESRS, CSDDD, EU-Taxonomie), Lieferkettenkomplexität, Branchenspezifika.
  3. Welche Datenquellen müssen integriert werden? ERP, SCM, HR, Finanzsysteme, Lieferanten- und Produktdaten, Emissionsfaktoren und wie gut unterstützt die Plattform Automatisierung und Schnittstellen?
  4. Wie soll das Reporting aussehen? Interner Überblick oder externer Nachhaltigkeitsbericht, Audit-Bereitschaft, Nachvollziehbarkeit, Versionierung, Abbildung verschiedener Standards.
  5. Was ist Ihr Ziel-Nutzen? Compliance-Sicherheit, Effizienzsteigerung oder strategischer Wettbewerbsvorteil; diese drei Antworten führen zu unterschiedlichen Lösungen.
  6. Welche Ressourcen stehen bereit? Budget, interne Kapazität, Einführungsdauer, Mitwachsfähigkeit der Plattform.

Das sind viele Aspekte. Aber je gründlicher hier gearbeitet wird, desto passgenauer fällt die Auswahl aus und desto effizienter verläuft die Einführung.

Fazit für den Mittelstand

Die Auswahl der richtigen ESG-Software ist kein rein technisches Projekt, sondern ein Baustein Ihrer Transformationslandkarte. Zusammengefasst:

  • osapiens HUB: die breiteste modulare Abdeckung im Vergleichsfeld, wenn Reporting und Lieferkette zusammen gedacht werden sollen.
  • Persefoni: die Stärke liegt eindeutig bei Klimadaten und CO₂-Steuerung.
  • VERSO: pragmatischer Einstieg für KMU mit begrenzten ESG-Ressourcen.
  • Tanso: zugeschnitten auf produzierende Unternehmen mit komplexen Materialflüssen.
  • Diligent ESG: erste Wahl bei starkem Governance- und Risikofokus.

Keine dieser Lösungen ersetzt die Entscheidung darüber, wofür Sie die Daten am Ende nutzen wollen. Und keine ersetzt die Frage, ob Ihr Geschäftsmodell die Anforderungen der nächsten Jahre überhaupt trägt.

Die Einführung einer ESG-Software ist deshalb kein IT-Projekt, sondern ein Transformationsprojekt. Schulungen, Prozesse, Daten-Ownership und Change-Management entscheiden über den Erfolg. Wie schnell diese Frage zur Geschäftsmodellfrage wird, zeigt unser Geschäftsmodell-Check.

Ihr nächster Schritt mit Butterfly Effect Consulting

Wenn Sie den Auswahl- und Einführungsprozess nicht allein gestalten wollen, setzen wir an drei Stellen an:

  • Vor der Auswahl: Wir klären, welche Entscheidungen Sie mit ESG-Daten künftig besser treffen wollen, und leiten daraus die Anforderungen ab, nicht umgekehrt. Strategie & Entwicklung
  • Während der Einführung: Wir begleiten Ausschreibung, Auswahl und Roll-out inklusive Daten-Ownership, Prozessverankerung und Change-Management. Organisation & Transformation
  • Danach: Wir verankern das Thema in der Führungsarbeit, damit aus einem System auch eine Steuerungspraxis wird. Führung & Trainings

Dr. Martin Bethke

20 Jahre Erfahrung im Top-Management in multinationalen Unternehmen, Start-ups und NGOs. Falls Sie Fragen zu diesem Artikel oder Interesse an einer Zusammenarbeit haben, schreiben Sie mir oder besuchen Sie mich auf LinkedIn.