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Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) verändert das Nachhaltigkeitsreporting in Europa grundlegend – auch wenn (Stichwort Omnibus) das Reporting immer wieder diskutiert wird. Unternehmen müssen nicht nur ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft offenlegen („Inside-Out“), sondern auch, wie ökologische, soziale und Governance-Themen auf ihr Geschäftsmodell zurückwirken („Outside-In“) – das ist das Prinzip der Doppelten Wesentlichkeit (Double Materiality).

Im Jahr 2026 ist dieses Prinzip aktueller denn je. Mit der sogenannten Omnibus-Regulierung hat die Europäische Kommission ein Anpassungspaket vorgelegt, das Schwellenwerte und Fristen der CSRD teilweise neu definiert. Ziel: kleinere Unternehmen entlasten, ohne Transparenz und Vergleichbarkeit aufzugeben. Für Sustainability-Manager:innen und ESG-Verantwortliche bedeutet das: Auch wenn sich Fristen verschieben, bleibt die Wesentlichkeitsanalyse das Herzstück jeder glaubwürdigen und prüfungssicheren ESG-Strategie.

Viele mittelständische Unternehmen suchen Orientierung beim Thema ESG und kämpfen mit den Herausforderungen. Und viele unserer Kunden kommen mit typischen Fragen auf uns zu, wie zum Beispiel:

  1. „Was fordert die CSRD konkret von meinem Unternehmen?“
  2. „Wie starte ich mit einer ESG‑Strategie, ohne mich zu verzetteln?“
  3. „Wie halte ich den Aufwand für die doppelte Wesentlichkeitsanalyse möglichst gering?“
  4. „Reicht für mich auch ein Reporting nach dem VSME-Standard und was ist dann mit der Wesentlichkeit?"

Diese Fragen sind ein guter Ansatz, und bilden in vielen Fällen den Ausgangspunkt unserer Beratung. Bleiben wir aber erst einmal bei der Wesentlichkeitsanalyse. Sie identifiziert die ESG‑Themen, die für ein Unternehmen und seine Stakeholder am wichtigsten sind.

Wer noch ein wenig mehr in die strategische Zusammenhänge einsteigen will, dem empfehlen wir den Artikel 👉 Strategieberatung im Mittelstand: Wenn Unsicherheit zur Chance wird .

1. Den Kontext der Wesentlichkeitsanalyse verstehen

Jede Wesentlichkeitsanalyse beginnt mit einem klaren Verständnis des eigenen Umfelds. Welche Themen beeinflussen das Geschäftsmodell? Welche rechtlichen Vorgaben gelten? Welche Erwartungen formulieren Investoren, Kund:innen und Mitarbeitende?

Mit der Omnibus-Regulierung werden zwar Fristen angepasst, doch der Druck zur Datentransparenz wächst weiter – insbesondere durch Banken, Lieferkettenpartner und den Kapitalmarkt. Unternehmen, die frühzeitig mit ihrer Analyse beginnen, reduzieren späteren Aufwand und verschaffen sich Wettbewerbsvorteile.

2. Wesentliche Themen identifizieren

Im zweiten Schritt werden die relevanten Nachhaltigkeitsthemen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bestimmt. Dabei gilt das doppelte Prinzip:

  • Inside-Out: Welche Auswirkungen hat das Unternehmen auf Umwelt und Gesellschaft?

  • Outside-In: Welche Nachhaltigkeitsthemen wirken auf das Geschäftsmodell zurück?

2026 ist diese Perspektive wichtiger denn je. Klimarisiken, Energieabhängigkeit, Lieferketten-Compliance oder soziale Standards prägen die strategische Agenda. Eine strukturierte Identifikation schafft Orientierung – und fokussiert Ressourcen auf Themen mit tatsächlicher Relevanz.

3. Bewertung und Priorisierung

Sind die relevanten Themen identifiziert, folgt die Priorisierung. Welche Themen sind finanziell wesentlich? Welche sind gesellschaftlich oder regulatorisch besonders relevant?

Die Bewertung sollte nachvollziehbar dokumentiert werden – nicht zuletzt, um künftige Assurance-Anforderungen zu erfüllen. Unternehmen, die hier früh systematisch vorgehen, sind besser vorbereitet und können Risiken, Chancen und Zielkonflikte transparent steuern.

4. Integration in Strategie und Berichterstattung

Die Ergebnisse der Wesentlichkeitsanalyse gehören in die Unternehmensstrategie, nicht in die Schublade. Nachhaltigkeit wird erst dann wirksam, wenn sie in Governance, Steuerung und Zielsysteme integriert ist.

Digitale Tools – etwa der osapiens HUB – helfen, ESG-Daten effizient zu erfassen und prüfungssicher zu verarbeiten. Damit wird aus der Berichtsübung ein strategisches Steuerungsinstrument, das Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz gleichermaßen stärkt.

Mehr dazu auch hier 👉 "osapiens HUB Beratung und Implementierung".

Die Doppelte Wesentlichkeit im VSME-Standard: Empfehlung mit Mehrwert

Mit dem VSME-Standard (Voluntary Standard for non-listed micro-, small- and medium-sized undertakings) erhalten KMU seit 2025 erstmals einen freiwilligen Berichtsrahmen, der Nachhaltigkeitsberichterstattung praxisnah und proportional gestaltet.

In den frühen Entwürfen war die Doppelte Wesentlichkeit (DWA) als Pflicht vorgesehen – analog zur CSRD und EU-Taxonomie. In der finalen Fassung wurde diese Pflicht gelockert: Eine DWA ist nun empfohlen, aber nicht mehr zwingend vorgeschrieben.

Diese Flexibilität bedeutet jedoch nicht Beliebigkeit. Der VSME betont ausdrücklich, dass Unternehmen mit einer strukturierten DWA mehr Relevanz und Aussagekraft in ihrer Berichterstattung erreichen. Sie gewinnen Orientierung, reduzieren Aufwand und stärken ihre ESG-Glaubwürdigkeit.

Mehr dazu auch hier 👉 "Der VSME-Standard: Nachhaltigkeitsreporting für KMU"

Warum die Doppelte Wesentlichkeit auch im VSME-Kontext entscheidend bleibt

Auch ohne gesetzliche Verpflichtung bleibt die Doppelte Wesentlichkeit das zentrale Werkzeug, um Nachhaltigkeit effizient zu steuern. Sie sorgt für Fokus, Qualität und Vertrauen – drei Eigenschaften, die gerade im Mittelstand entscheidend sind.

Eine gute DWA hilft, Prioritäten klar zu setzen, Stakeholder-Erwartungen zu erfüllen und Risiken mit Chancen zu verbinden. Unternehmen, die darauf verzichten, laufen Gefahr, blinde Flecken zu übersehen oder den roten Faden in ihrer Berichterstattung zu verlieren.

Im Zusammenspiel mit dem VSME fungiert die DWA als Orientierungsrahmen: Sie hilft, die wesentlichen Themen mit den Berichtspflichten zu verknüpfen, schafft Klarheit in der Datenerhebung und stärkt die Effizienz. Kurz gesagt – sie macht den VSME erst richtig wirksam.

Fazit: Von der Pflicht zur Chance

Ob im Rahmen der CSRD oder des VSME-Standards – die doppelte Wesentlichkeit bleibt das Fundament professioneller ESG-Berichterstattung. Sie ist kein bürokratischer Mehraufwand, sondern ein strategischer Kompass.

Gerade 2026, im Zeichen der Omnibus-Reform, bietet die DWA Unternehmen Orientierung, Effizienz und Glaubwürdigkeit. Wer früh beginnt, sichert sich langfristige Vorteile: geringeren Aufwand, bessere Datenqualität und eine ESG-Berichterstattung, die auch Investoren überzeugt.

Jetzt die Doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality) richtig angehen

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👉 Erfahren Sie auf unserer Leistungsseite ESG-Compliance & Nachhaltigkeitsberatung, wie wir Sie bei Analyse, Datenmanagement und Berichterstattung unterstützen – oder vereinbaren Sie direkt ein unverbindliches Beratungsgespräch.

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Juliane Höfler

19 Jahre Erfahrung als Unternehmerin, Managerin und Beraterin. Falls Sie Fragen zu diesem Artikel oder Interesse an einer Zusammenarbeit haben, schreiben Sie mir oder besuchen Sie mich auf LinkedIn.