„Am Schluss sind es zwischenmenschliche Themen.“ Dieser Satz aus unserer "Wicked Problems"-Podcastfolge mit Carmen Sprus (EY, CHANGE & SUSTAIN) hat bei mir am stärksten nachgehallt. Nicht, weil er „nett“ klingt – sondern weil er in der Praxis brutal zutrifft: Strategien können klug sein, Prozesse können stehen, Tools können eingeführt sein. Und trotzdem passiert zu wenig. Ob im Unternehmen oder in der Gesellschaft. Warum? Weil Veränderung am Ende nicht in Folien umgesetzt wird – sondern in Beziehungen. Und Transformation gelingt oder scheitert an Beziehungen.
Warum dieser Hebel so oft zu kurz kommt
Wenn Unternehmen über Transformation sprechen, geht es schnell um Roadmaps, KPIs, Daten, Projekte. Alles wichtig. Aber der Kern ist oft ein anderer:
„Nur weil etwas richtig ist … heißt das noch lange nicht, dass es umgesetzt wird. Und diese Umsetzung … ist meistens persönliche Überzeugungsarbeit.“
Gerade im Mittelstand ist das hochrelevant: Entscheidungen werden oft schneller getroffen – aber sie hängen stärker an Vertrauen, an persönlicher Verantwortungsübernahme und an der Frage, wer in der Organisation Brücken baut und dranbleibt.
Das „soziale Band“: Der Missing Link zwischen Logik und Wirkung
Im Gespräch ging es auch um Quantifizierung und Monetarisierung als Türöffner in Richtung Business- und CFO-Logik. Gleichzeitig fällt ein entscheidender Punkt: Zahlen müssen begleitet werden von einem „sozialen Band“. Also von Beziehungen, die Bedeutung herstellen und zwischen Bereichen übersetzen.
Das ist der Moment, an dem viele Transformationsprogramme kippen: Das System wird besser – aber das Verhalten ändert sich nicht.
Fünf Beziehungs-Hebel, die Veränderung wirklich beschleunigen
1) Champions finden – und ihnen Mandat geben
Ein Wandel findet am Schluss nur statt, weil eine Handvoll Personen ihn konsistent vorantreibt. Die Frage ist nicht, ob ihr Champions habt – sondern: Haben sie Zeit, Mandat und Rückendeckung, wenn es ungemütlich wird?
Ein Beispiel aus der Praxis: Der Mittelständler Viessmann arbeitet mit einem Netzwerk aus „Heroes“ – also Mitarbeitenden, die als erste Ansprechpartner:innen in den Teams wirken, neue Arbeitsweisen übersetzen, unterstützen und damit Veränderung im Alltag beschleunigen. Der Effekt ist simpel: Veränderung wird über Menschen skaliert, nicht nur über einen Rollout-Plan.
2) Die Sprache des Gegenübers sprechen
Veränderung scheitert oft nicht am Inhalt, sondern an Übersetzung. Wer die Sprache des anderen spricht, kommt weiter: Finance denkt in Wert und Risiko, Operations in Stabilität und Machbarkeit, Vertrieb in Kunden und Markt, ESG in Wirkung und Regulatorik. Kommunikation ist deshalb nicht „Begleitmusik“, sondern der Schlüssel zu fast allem.
3) Vertrauen als Skalierungswährung ernst nehmen
Neue Lösungen sind selten sofort risikofrei beweisbar. Und genau hier entsteht der Engpass: Es braucht Zeit und Vertrauen. Viele Organisationen töten Fortschritt, weil sie Sicherheit über Lernkurve stellen – und damit genau die Geschwindigkeit verlieren, die sie eigentlich bräuchten.
4) Dialogräume schaffen – statt in Silos zu optimieren
Veränderung braucht Orte, an denen Zielkonflikte wirklich verhandelt werden – nicht nur Status-Updates. Wenn wir nicht im Dialog bleiben, bewegt sich auch nichts. Dialog ist keine Kultur-„Spielerei“, sondern Infrastruktur für Entscheidungen.
5) Fokus statt Verzettelung – gemeinsam priorisieren
Viele Unternehmen versuchen, „alles“ gleichzeitig abzusichern und zu quantifizieren. Die bessere Frage ist: Ist das überhaupt zielführend? In der Praxis gewinnt, wer wenige Hebel mit dem größten Impact auswählt – und sie konsequent umsetzt. Auch das ist Beziehung: Priorisierung ist selten Excel, sondern Aushandlung.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Mittelständische Unternehmen sind oft näher am Geschäft, näher an Entscheidungen, näher an Menschen. Genau darin liegt ein Vorteil – wenn Beziehungen bewusst als Transformationsinfrastruktur genutzt werden: zwischen Geschäftsführung und Werk, zwischen Einkauf und Entwicklung, zwischen Finance und Vertrieb, zwischen Strategie und Alltag. Und gerade in diesem Zusammenspiel liegt ein entscheidender Hebel, um wirksam zu werden und Veränderung im Unternehmen voranzutreiben.
Fazit
Transformation ist ein Wicked Problem. Aber ein Teil der Antwort ist überraschend konkret: Beziehungen sind Infrastruktur. Ohne sie bleiben Lösungen liegen. Mit ihnen entsteht Bewegung – selbst wenn nicht alles perfekt ist.
Und wer jetzt noch Lust auf mehr zu diesem Thema hat, dem empfehlen wir mal in den Podcast reinzuhören:
Was das mit unseren Leistungen bei Butterfly Effect Consulting zu tun hat
Und genau an dieser Schnittstelle begleiten wir Unternehmen nicht nur bei Strategien und Konzepten, sondern dort, wo Veränderung wirklich entsteht: im Zusammenspiel aus Steuerungslogik und menschlichen Beziehungen.
• Strategie & ESG als Steuerungssystem: prüfungssicher, entscheidungsfähig, umsetzbar – 👉 weitere Infos dazu.
• Workshops, Trainings & Coaching: weil Transformation Führungs- und Kommunikationsfähigkeit braucht – nicht nur Methodik – 👉 weitere Infos dazu.
• Digitalisierung/Tooling: Tools wirken erst, wenn Verantwortlichkeiten, Prozesse und Zusammenarbeit mitwachsen – 👉 weitere Infos dazu.
Kurz: Wir verbinden Zahlenlogik mit Beziehungslogik – dieses „soziale Band“, das in der Praxis den Unterschied macht.



