Stellen Sie sich diese Szene vor:
Montag, 8:30 Uhr. Geschäftsführung und Finance sitzen am Tisch. Auf der Agenda: Kosten, Absatz, Lieferkette – und irgendwo zwischen „Ausschreibungen“ und „Capex“ steht auch noch „ESG/CSRD“. Und dann kommt der Satz, der in vielen Unternehmen erschreckend schnell fällt:
„Lass uns das erstmal parken.“
Wenn ESG in schwierigen Zeiten als erstes „parkbar“ ist, ist das selten ein Werteproblem. Es ist fast immer ein Steuerungsproblem. Denn ESG ist in der Realität kein Kommunikationsprojekt. ESG ist ein Investitions- und Risikothema. Und das bedeutet: Es lebt oder stirbt an der gleichen Logik wie alles andere, was im Unternehmen skaliert — CFO-Logik.
Im Podcast "Wicked Problems – Wissenschaft | Wirtschaft | Wandel" haben wir eine These an den Start gestellt, die genau diese Realität trifft: Nachhaltigkeit ist oft weniger „Wertethematik“, sondern knallhartes Risikomanagement und Business Case – alles andere ist Storytelling. Oder wie unser Gast Axel Berger es auf den Punkt brachte: „Nachhaltigkeit skaliert nur dann, wenn sie profitabel ist."
Klingt hart? Ja. Aber es ist eine extrem hilfreiche Designregel – wenn Sie wollen, dass ESG im Mittelstand nicht bei der ersten Ergebnisdelle verschwindet. CFO-Logik heißt nicht „Nachhaltigkeit ist egal“. CFO-Logik heißt, dass Nachhaltigkeit so übersetzt wird, dass Finance sie steuern kann:
Transparenz → Business Cases → Priorisierung → Governance.
Warum ESG ohne CFO-Logik scheitert (auch wenn alle es „wollen“)
Man muss den Tatsachen auch manchmal ins Auge blicken, auch wenn es schwerfällt. Denn früher wurden Nachhaltigkeitsthemen, wenn es schlecht lief, pauschal gestrichen. Nicht, weil jemand Nachhaltigkeit „doof“ findet – sondern weil im Unternehmenskontext Profitabilität faktisch eine höhere Priorität hat. Und ja: Ohne Cash wird auch der Wandel nicht finanziert.
Die eigentliche Frage lautet also nicht: „Wie überzeugen wir Menschen moralisch?“
Sondern:
„Wie bauen wir ESG so, dass es als Investition mit Rendite/Risiko-Logik verstanden wird?“
CFO-Logik in 4 Bausteinen: So wird ESG steuerbar
1. Transparenz, die Entscheidungen ermöglicht (nicht Daten, die man abheftet)
Transparenz ist nicht gleich Reporting. Transparenz heißt: Ich kann sagen, wo die Hotspots sind, was sie kosten, und welche Hebel wirken. Wenn man ESG nicht in Entscheidungsfähigkeit übersetzt, bleibt es ein Zahlenfriedhof.
Merksatz: Transparenz ist das Fundament – aber Steuerung ist das Ziel.
2. Business Case pro Maßnahme (ja, wirklich pro Maßnahme)
CFO-Logik entsteht genau dort, wo ESG in einzelne investierbare Entscheidungen zerlegt wird:
- Capex/Opex
- CO₂-Wirkung (oder anderer Impact)
- Amortisation / ROI
- Umsetzungsrisiko und Abhängigkeiten
- Zeithorizont
Das klingt aufwendig, spart aber am Ende Zeit: weil man aufhört, über „ESG“ zu diskutieren – und anfängt, über Investitionen zu entscheiden.
3) Priorisierung wie ein Portfolio (nicht wie eine Wunschliste)
Die meisten Unternehmen haben keine ESG-Roadmap, sondern eine ESG-Wunschliste. CFO-Logik bedeutet: Sie priorisieren wie im Investitionsportfolio:
- „No-Regret“-Maßnahmen (positiver Return, kurze Amortisation) zuerst
- Piloten dort, wo Lernkurven und Skalierung realistisch sind
- Strukturhebel (z. B. Prozess-/Technologieumbau) mit sauberer Sequenz
Das ist der Unterschied zwischen „Wollen“ und „Können“.
4) Governance + Tooling: CO₂-Buchhaltung und Maßnahmensteuerung gehören zusammen
Wenn CO₂-Buchhaltung und Maßnahmensteuerung getrennt laufen, passiert Folgendes:
- Reporting wird ein Parallelprojekt
- Maßnahmen werden nicht konsequent nachgehalten
- Entscheidungen werden nicht vergleichbar
CFO-Logik heißt: Eine gemeinsame „Quelle der Wahrheit“ (Daten) plus ein gemeinsamer Steuerungsprozess (Portfolio, Reviews, Verantwortlichkeiten).
Der Realitätstest: ESG gerät unter Druck – und genau dann zeigt sich, ob es „funktioniert“
ESG steht heute oft in einem „Perfekter-Sturm“-Szenario:
- Shareholderdruck schwankt
- Regulatorik wird politisch diskutiert
- Kundennachfrage ist je nach Branche sehr unterschiedlich
Wenn ESG nur über einen dieser Treiber begründet ist, kippt es schnell. Wenn ESG aber gleichzeitig als Risikominimierung und Wertbeitrag (Effizienz, Resilienz, Kundenzugang) geführt wird, bleibt es stabil.
Und genau das erreicht man mit CFO-Logik.
Der 30-Tage-Fahrplan: So wird ESG bei Ihnen CFO sicher
Woche 1: 80/20-Transparenz schaffen
- Wo sind die größten CO₂-/Kosten-Hotspots?
- Welche Daten haben wir bereits (Energie, Material, Logistik, Einkauf)?
- Wo fehlen „Owner“?
Output: Hotspot-Bild + klare Datenverantwortung (nicht perfekt, aber belastbar).
Woche 2: Maßnahmen-Backlog + Business-Case-Template
- 20–40 Maßnahmen grob erfassen
- Für jede Maßnahme: Capex/Opex, CO₂-Wirkung, Zeithorizont, Umsetzbarkeit, Risiken
Output: Maßnahmenliste, die einer CFO-Logik entspricht.
Woche 3: Portfolio-Priorisierung
- No-Regret Maßnahmen (positive Verzinsung/kurze Amortisation) zuerst
- Abhängigkeiten klären (was muss vorher passieren?)
- Pilot-Cluster definieren (2–3 Initiativen)
Output: priorisiertes Portfolio + Entscheidungslogik.
Woche 4: Governance + Tooling + Reporting als Nebenprodukt
- Wer entscheidet? In welcher Routine? Mit welchen KPIs?
- Tool-/System-Setup so, dass CO₂-Buchhaltung und Maßnahmensteuerung zusammenlaufen
Output: Roadmap + Operating Model + „Reportingfähigkeit“, ohne dass Reporting das Projekt frisst.
Typische Stolpersteine (damit Sie nicht in die ESG-Endlosschleife geraten)
Stolperstein 1: „Wir sammeln erstmal Daten“: Wenn Datensammeln kein Entscheidungsziel hat, wird es ein Hobby.
Stolperstein 2: „Wir machen die Roadmap – Umsetzung später“: Ohne Portfolio-Logik und Governance bleibt’s PowerPoint.
Stolperstein 3: „ESG ist Sache der Nachhaltigkeitsabteilung“ CFO sicher heißt: Finance ist nicht Zuschauer, sondern Mit-Owner.
Fazit: ESG funktioniert nur, wenn es zur Steuerung genutzt wird
CFO sichere Nachhaltigkeit heißt nicht, dass Werte egal sind. Es heißt: Werte überleben im Unternehmen dann, wenn sie in Entscheidungen übersetzt werden.
Oder um es in anderen Worten zu sagen: Wenn man Transparenz schafft und „Returns auf Investitionen“ mit Dekarbonisierung verbindet, wird es eine gute Investition – und nicht nur ein Etikett. Und genau dann ist ESG nicht mehr parkbar – sondern Teil der Unternehmenssteuerung.
Ist ESG bei Ihnen noch ein Kostenfaktor oder schon ein Business Case?
Wenn Sie ESG bei sich CFO sicher machen wollen: Wir übersetzen CO₂-Transparenz in ein priorisiertes Maßnahmenportfolio inklusive Business Cases, Governance und (wenn sinnvoll) Tool-Setup – pragmatisch, mittelstandstauglich, prüfbar. Gerne sprechen wir mit Ihnen in einem kompakten, ca. 30-minütigen Erstgespräch über Ihre aktuellen Herausforderungen. Wir unterstützen mittelständische Unternehmen bei:
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Wenn Sie das Gefühl haben, dass das Ihre Themen sind, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit uns darüber zu sprechen!



