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Nachhaltiges Wirtschaften wird für mittelständische Unternehmen nicht mehr nur optional – es ist eine „License to operate“. Nicht nur Gesetzgeber und Investoren erhöhen den Druck: Auch Kund:innen, Lieferant:innen und Mitarbeitende erwarten klare Antworten auf die Fragen: Wie verantwortungsvoll handelt Ihr Unternehmen? Wie wird Nachhaltigkeit messbar, steuerbar und profitabel? Unternehmen, die sich jetzt strategisch aufstellen, sichern sich Wettbewerbsvorteile – denn Nachhaltigkeit und Profitabilität gehen heute Hand in Hand. Und auch wenn nachhaltiges Wirtschaften im Mittelstand noch nicht überall angekommen ist, zeigen immer mehr best practices, welches Potenzial darin steckt (Unser Buchtipp hierzu: "Nachhaltiges Wirtschaften als Erfolgsfaktor").

Warum Nachhaltigkeit in den Kern der Unternehmensstrategie gehört

  • Eine Studie des Umweltbundesamt zeigt: 90 % der Deutschen unterstützen den ökologischen Umbau der Wirtschaft, obwohl Kosten- und Effizienzaspekte ihnen große Sorgen bereiten. Gleichzeitig sind nur 15 % der Befragten überzeugt, dass Unternehmen aktuell ausreichend ambitioniert handeln. Siehe hierzu auch die Studie des Bundesumweltamtes

  • Hinzu kommen ambitionierte Ziele wie „Net-Zero“ und regulatorische Anforderungen wie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder EU Diligence & Sustainability Regulation (EUDR) – mittelständische Unternehmen stehen also vor strategischen Herausforderungen, die weit über Compliance hinausgehen.

  • Nachhaltigkeit ist kein Risiko mehr – sie ist Chancen­feld, Differenzierungs­merkmal und Wettbewerbs­vorteil. Wer Ressourcen effizienter nutzt, Lieferketten resilient gestaltet und Mitarbeitende motiviert, baut Zukunftsfähigkeit auf.

Kurzum: Unternehmen sind nicht nur gefordert zu handeln, sondern sollten proaktiv und unternehmerisch agieren und Nachhaltigkeit als Kern der Unternehmensstrategie verstehen.

Nachhaltiges Wirtschaften im Mittelstand: 5-Schritte-Modell zur Umsetzung

Ein Unternehmen neu auszurichten ist immer eine  Herausforderung. Das gilt auch für die Integration von Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie: Strukturen, Prozesse und auch die Unternehmenskultur müssen auf das neue Ziel ausgerichtet werden. Damit das erfolgreich gelingen kann, sind alle Mitarbeitenden gefordert und müssen den Wandel mittragen. Gerade im Mittelstand kommen hier die Kosten, mangelnde Kapazitäten und oftmals fehlendes Know-How erschwerend hinzu. Aber mit einem klar strukturierten und transparenten Vorgehen, lassen sich diese Hürden nehmen.

So gelingt nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis

Der Weg zur richtigen Nachhaltigkeitsstrategie ist für jedes Unternehmen individuell. Je nach Branche und Unternehmensart unterscheidet sich, welche Ziele sich ein Unternehmen setzen kann und welche Maßnahmen die richtigen zur Erreichung dieser Ziele sind. Wie bei jeder Neuausrichtung in der Unternehmensstrategie muss daher zunächst die Ausgangslage des Unternehmens genau bestimmt werden, d. h., ein Überblick über die eigene Position im Marktumfeld sowie Chancen und Risiken durch äußere Faktoren wie neue Richtlinien.

Schritt 1: Analyse der eigenen Position und Ausgangslage

Zunächst gilt es drei zentrale Analysen durchzuführen: Die Unternehmensanalyse, die Umfeldanalyse und die Wesentlichkeitsanalyse (inkl. Stakeholderanalyse). Dadurch werden die Grundlagen gelegt, um die Definition von Zielen, Maßnahmen und Kennzahlen für die Nachhaltigkeitsstrategie festzulegen. Und gerade der in der Wesentlichkeitsanalyse (wie diese einfach in vier Schritten angegangen werden kann, erklären wir hier) begonnene Austausch mit den Stakeholdern sollte im Verlauf der Strategieentwicklung fortgesetzt werden.

Schritt 2: Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (Vision, Mission, Zielbild)

Kennt man die Ausgangslage, kann in Schritt 2 die Vision des Unternehmens entwickelt werden. Die Vision beschreibt den kundenorientierten Mehrwert, das, was das Unternehmen antreibt und wofür es in Zukunft stehen will. Sie enthält ambitionierte Ziele, die verdeutlichen, wie das Unternehmen zukünftig nachhaltig Wirtschaften will. Die Vision legt die Absichtserklärung des Unternehmens zum nachhaltigen Wirtschaften fest und schafft damit Glaubwürdigkeit bei den Stakeholdern, u. a. Kunden, Mitarbeitenden, Gesellschaft. Die in der Vision dokumentierten Ziele geben den Mitarbeitenden Orientierung für ihr Handeln zur Erreichung der Ziele.

Auf Basis der Vision kann dann die Mission entwickelt werden. Sie beschreibt den Unternehmenszweck und was das Unternehmen tut, um die Ziele der Vision zu erreichen und einen positiven Beitrag für Kunden, Partner und Gesellschaft zu leisten. Hierbei hilft es, ein klares Zielbild zu entwerfen. Ausgehend von diesem Zielbild kann man dann Strategien zur Zielerreichung festlegen.

Schritt 3: Definition von Nachhaltigkeitszielen und Maßnahmen

Schritt 1 und 2 geben den inhaltlichen Rahmen vor. In Schritt 3 können nun die Nachhaltigkeitsziele und Maßnahmen entwickelt werden.

Die eigene Strategie in konkrete Handlungen zu überführen ist eine große Herausforderung für Unternehmen, besonders, wenn es darum geht, ihre Mitarbeitenden in den Prozess einzubeziehen. Daher ist es nicht nur essentiell, die richtigen Ziele zu definieren, es müssen auch eine Roadmap (mit Meilensteinen) erstellt werden und konkrete KPIs, um den Fortschritt beim Erreichen der Ziele zu messen. Wichtig ist außerdem, die eigenen Ziele kontinuierlich zu evaluieren.

Viele Unternehmen beschränken sich bei der Erstellung ihrer Nachhaltigkeitsziele noch auf Klimaziele oder CO2-Reduktion. Doch nachhaltiges Wirtschaften muss die drei Nachhaltigkeitsdimensionen in Einklang bringen. Orientierung für die Festlegung der eigenen Nachhaltigkeitsziele bieten die der UN. Anhand dieser Ziele kann das Unternehmen für jedes SDG Unterziele für jeden Unternehmensbereich definieren und Maßnahmen zur Zielerreichung ableiten. Da sich die Maßnahmen für jedes Unternehmen unterschiedlich gestalten, hat sich das SMART-Prinzip zur Festlegung der Maßnahmen etabliert: Die Maßnahme, um das jeweilige Ziel zu erreichen sollte SMART sein, d. h. spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert.

Schritt 4: Anpassung von Steuerungs- und Führungsprozessen und Etablierung einer Nachhaltigkeitsstruktur

Wenn ein Unternehmen eine neue Nachhaltigkeitsstrategie implementieren möchte, bedeutet das (in der Regel), dass Prozesse und Strukturen im gesamten Unternehmen verändert und neue Verantwortlichkeiten bestimmt werden müssen. Neue Steuerungsmechanismen sind erforderlich, damit die Nachhaltigkeitsziele erreicht werden.

Viele KMUs setzen auf crossfunktionale Nachhaltigkeitsteams, die die praktische Umsetzung der Strategie begleiten. Anhand der Roadmap sowie der klar definierten und messbaren Ziele kann dann die Nachhaltigkeitsstrategie implementiert werden. Die Umsetzung der Strategie gelingt nur, wenn alle Mitarbeitenden mitwirken und durch das Commitment des Managements. Kurz gesagt: Gelingt es den Unternehmen, Mitarbeitende zu Co-Autoren der Strategie zu machen, gelingt auch die Umsetzung. Voraussetzung dafür ist, dass die Ziele für alle nachvollziehbar sind und Mitarbeiter*innen wissen, dass ihr Handeln und ihre Einstellung wichtig für das Gelingen sind. Ein Werte- und Verhaltenskodex kann ein sinnvoller Rahmen für dieses Handeln sein. Wichtig ist aber vor allem auch die transparente Kommunikation im Unternehmen. Auch nach außen schafft die Transparenz beim Berichten über Fortschritte und Probleme bei der Umsetzung der Strategie Vertrauen. Eine Möglichkeit, die Fortschritte nach außen zu kommunizieren stellt der Nachhaltigkeitsbericht dar.

Schritt 5: Kommunikation der Nachhaltigkeitsziele und des Transformationspfads

Der Nachhaltigkeitsbericht ist eine Form, die Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens nach außen zu kommunizieren. Aber er ist nur ein Teil, wenn es darum geht, durch die Kommunikation der Nachhaltigkeitsziele Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Nachhaltiges Wirtschaften erfordert eine entsprechende Haltung des Unternehmens und so wird von Unternehmen gefordert, ehrlich zu kommunizieren. Zentral für die Kommunikation nach außen sind dabei auch die Mitarbeitenden. Sie tragen die Transformation hin zum nachhaltigen Wirtschaften mit und als Multiplikatoren und Vorbilder sichtbar in die Gesellschaft.

Viele Unternehmen zögern noch, über ihre Bemühungen hin zu mehr Nachhaltigkeit zu kommunizieren, aus Angst, Fehler zu machen. Sie wollen erst abwarten, bis Ziele erreicht sind. Doch das ist der falsche Weg. Niemand erwartet, dass alles sofort perfekt ist und alle Ziele übererfüllt sind. Wer sich ehrlich auf den Weg zum nachhaltigen Wirtschaften macht, weiß, dass dieser Prozess nie abgeschlossen sein wird. Anstelle einer Kommunikation, die rein auf das Erreichen von Zielen ausgerichtet ist, muss die transparente Kommunikation der Fortschritte treten. Welche Kanäle und welche Kommunikationsstrategie dabei die beste ist, muss jedes Unternehmen, mit Blick auf seine Stakeholder, selbst entscheiden.

Nachhaltigkeit & Profitabilität – zwei Seiten einer Medaille

Nachhaltiges Wirtschaften im Mittelstand heißt: Verantwortung übernehmen und wirtschaftlich erfolgreich sein. Nur wer beides verbindet, nutzt den vollen Hebel für Wettbewerbsvorteile. Unternehmen, die Ressourceneffizienz steigern, Risiken im Liefernetzwerk reduzieren und Mitarbeitende stärker einbinden, können ihre Profitabilität nachhaltig verbessern.
Mit dem vorgestellten 5-Schritte-Modell haben wir in vielen Strategieprojekten bewiesen: Nachhaltigkeit + Profitabilität = unternehmerische Zukunft.

Fazit

Nachhaltiges Wirtschaften im Mittelstand ist kein Nice-to-have – es ist strategische Notwendigkeit. Wer heute verantwortlich handelt, legt das Fundament für morgen: resilient, profitabel und zukunfts­fähig. Mit klarem Vorgehen, fundierter Analyse und konsequenter Umsetzung können Mittelstandsunternehmen auf ihre Weise Großes leisten – nicht nur für Umwelt und Gesellschaft, sondern für ihre eigene wirtschaftliche Stärke.

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Dr. Martin Bethke

20 Jahre Erfahrung im Top-Management in multinationalen Unternehmen, Start-ups und NGOs. Falls Sie Fragen zu diesem Artikel oder Interesse an einer Zusammenarbeit haben, schreiben Sie mir oder besuchen Sie mich auf LinkedIn.